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Der gebürtige Argentinier Ernesto „Che“ Guevara de la Serna starb 1967 als Rebell im bolivianischen Busch. Verehren ihn seine Anhänger als „Guerrillero Heroico“, wie das wohl berühmteste Che-Foto heißt, als romantischen linken Vorkämpfer für eine bessere Welt, verteufeln ihn Gegner als stalinistischen Dogmatiker und Menschenrechtsverletzer, der durch sein Scheitern an der Realität des postrevolutionären Kubas die Untauglichkeit marxistischer Gesellschaftsmodelle bewiesen hat. Einigkeit herrscht aber darüber, dass Che Guevara einer der wichtigsten Protagonisten der kubanischen Revolution von 1959 gewesen ist.

Genossen im Kampf gegen den Imperialismus. Che und Fidel in Kuba

Foto: Alberto Korda

Ernesto Guevara ist im Juni 1928 im argentinischen Rosario als Sohn der bürgerlichen Mittelschicht entstammender, linksorientierter Eltern geboren worden. In behüteten Verhältnissen in der zentralargentinischen Provinz Cordoba aufgewachsen, studierte Guevara Medizin und unternahm während seiner Studienzeit mehrere lange Reisen quer durch den südamerikanischen Subkontinent. Nach seinem Studienabschluss 1953 kam er in Guatemala in Kontakt zu Überlebenden des von Fidel Castro angeführten, gescheiterten Versuchs, den kubanischen Diktator Batista zu stürzen („Sturm auf die Moncada-Kaserne 26.7.1953“). Nach dem von der US-Regierung massiv unterstützten Rechts-Putsch gegen die linke guatemaltekische Regierung Arbenz, stieß Guevara in Mexiko zur exilkubanischen Bewegung M-26-7 und lernte dort 1955 Castro kennen. Zwischen dem Marxisten mit stark orthodox-stalinistischer Ausrichtung Guevara, der eine grundsätzliche Verbesserung der Lebensverhältnisse der lateinamerikanischen Massen anstrebte, und dem damals eher linksliberalen Realpolitiker Castro, der seine Heimatinsel von Batista und der kaum verhohlenen US-Vorherrschaft befreien wollte, entwickelte sich rasch eine effiziente Partnerschaft.

Die kleine Rebellen-Gruppe plante, in Kubas unwegsamer, von dem Gebirgszug Sierra Maestra geprägten Ostprovinz Oriente zu landen, um von dort aus den bewaffneten Widerstand gegen Batista ins Land zu tragen. Guevara, der den in Lateinamerika für Argentinier üblichen Spitznamen „Che“ erhalten hatte, war für den medizinischen Sektor zuständig.

Mit der Motoryacht „Granma“ landeten die 82 M-26-7-Kämpfer am 2. 12.1956 in der Nähe von Niqueiro. Die wahrscheinlich verratene Rebellen-Truppe geriet in heftige Kämpfe mit der Batista-Armee und wurde nahezu aufgerieben. Mit kaum zwei Dutzend weiteren Rebellen konnten Fidel Castro, sein Bruder Raul und Che Guevara in die Berge entkommen. Hier bauten sie in den folgenden Monaten eine schlagkräftige Untergrund-Streitmacht auf, die sich im Gegensatz zu den zahlreichen Marodeuren der Batista-Söldnerarmee der einheimischen Bauernbevölkerung gegenüber korrekt verhielt. Außer durch viele Einheimische erhielten die wegen ihrer Vollbärte bald „Barbudos“ genannten Kämpfer in der Sierra Unterstützung durch die in Havanna und anderen Städten agierende „Zweite Front“ der M-26-7.

Der militärische Laie Che profilierte sich bald als hervorragender Truppenführer und Guerillataktiker. Er baute eine funktionierende Logistik mit Werkstätten, Bäckereien, Krankenstationen und Schulen auf, von der auch die Einheimischen profitierten. Er war für seinen persönlichen Mut im Gefecht bekannt, aber auch wegen seiner Härte gegen Befehlsverweigerer berüchtigt. Guevara soll selbst Deserteure und Verräter erschossen haben. Seine herausragende Position wurde 1957 mit der Ernennung zum Comandante, dem zweithöchsten M-26-7-Rang nach dem Castro vorbehaltenen „Comandante en Jefe„-Rang, deutlich gemacht.

1958 ging Casto in die Offensive. Die Bewegung, die weitreichende soziale Reformen versprochen hatte, konnte mittlerweile auf eine breite Massenbasis in den Städten und den linken Organisationen bauen.
Als Kommandeur einer 300 Mann starken Kolonne war er bei der entscheidende Schlacht von Santa Clara ( 28.12.1958 -1.1.1959) im Kampf gegen fast 4000 Mann der demoralisierten Batista-Armee siegreich. Im Anschluss zog er in die Hauptstadt Havanna ein, aus der sich Batista und seine Begleitung wenige Stunden vorher in die Dominikanische Republik abgesetzt hatten.

Che war in der unmittelbaren postrevolutionären Phase für die Anklage und Festsetzung von tatsächlichen oder vermeintlichen Batista-Anhängern zuständig. In seinen Verantwortungsbereich fielen dabei auch Massenverhaftungen und Exekutioen. In der neuen Regierung wurde Che Guevara unter Ministerpräsident Castro Industrieminister und Leiter der Nationalbank. In diesen Funktion versuchte er, einen strikten planwirtschaftlichen Kurs nach sowjetischen beziehungsweise volkschinesischen Vorbildern, durchzusetzen. Seine Maßnahmen gelten – neben dem US-amerikanischen Wirtschaftsboykott Kubas- als Hauptgrund für den massiven Rückgang der kubanischen Produktivität.

Weltbekannte Grafik von Che Guevara dem Revolutionär

Grafik: Jim Fitzpatrick

Vor allem Differenzen wegen des ökonomischen Kurses und Ches zunehmend UdSSR-kritischer Haltung führten 1964 schließlich zum inoffiziellen Bruch zwischen Castro und Guevara. Che Guevara zog sich 1965 aus dem öffentlichen Leben weitgehend zurück.

1965 versuchte Che, eine der kubanischen Revolution ähnelnde Bewegung im Kongo zu gründen. Gescheitert kehrte er nach knapp einem Jahr aus Afrika zurück. 1966 versuchte er erneut, das kubanische Revolutions-Konzept zu exportieren. Diesmal zog er mit einigen Anhängern nach Bolivien, um dort gegen das autoritäre Regime des Generals Barrientos kämpfende marxistische Untergrundkämpfer zu unterstützen. Am 8.10.1967 wurde er bei einem Gefecht mit Regierungstruppen verwundet und geriet in Gefangenschaft. Am Tag darauf wurde der 39jährige ohne vorherige Gerichtsverhandlung erschossen.

Sein Tod, seine äußere attraktive Erscheinung, sein persönlicher Idealismus und nicht zuletzt sein Scheitern ließen Che Guevara bald darauf zu einer Ikone der weltweiten Linken werden.

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