Trotz grausamem Beginn kam es schnell
zu wirtschaftlicher und geistiger Blüte

Ihren martialischen Namen „Blutbad“ verdankt die knapp 12.000 km² große Provinz im Westen Kubas einem Massaker, welches noch vor dem Beginn der eigentlichen Kolonialisierung der Insel im Jahr 1510 von Eingeborenen an einem spanischen Expeditionstrupp verübt wurde. Wie vom Konquistador Bernal Díaz del Castillo in seinem Augenzeugenbericht „Wahrhafte Geschichte der Eroberung von Neuspanien“ eindrücklich beschrieben, lockten die indigenen Angreifer eine Gruppe von etwa 30 Personen in einen Hinterhalt, metzelten die Männer nieder und entführten die Frauen.
Zwischen 1514 und 1518 wurde die Region jedoch vollständig erobert und die erste Siedlung entstand am östlichen Ende der Bucht von Matanzas, es folgten weitere Gemeinden wie Corral Nuevo, San Agustín, Las Cidras, Yumurí und Limones. Die gleichnamige Hauptstadt Matanzas mit ihren aktuell 144.000 Einwohnern wurde offiziell 1693 gegründet, im 18. und 19. Jahrhundert wuchs sie, begünstigt durch ihren natürlichen Hafen und zahlreiche nahe Zuckerrohrplantagen, rasant. Hier befand sich auch das Zentrum des Sklavenhandels in dieser Zeit, zusätzlichen Reichtum brachte die Ausfuhr von Kaffee und Tabak.

Wo Geld und Geist gemeinsam feierten,
sangen, tanzten und sich vermählten

Escudo Matanzas

Offizielles Wappen der kubanischen Provinz Matanzas

Wohlstand und weltoffene Atmosphäre zogen auch viele Künstler und Intellektuelle in die prosperierende Stadt lediglich gut 40 Kilometer östlich von Havanna. Mit dem Betrieb der ersten Druckpressen und der Entstehung einer regionalen Presselandschaft ab 1813 bildete und etablierte sich vor Ort ein umfangreiches Besitz- und Bildungsbürgertum. Der seither landesweit respektvoll geäußerte Spitzname „Das Athen Kubas“ für Matanzas wurde im Jahr 1860 von dem Schriftsteller Rafael del Villar erstmalig geprägt.
Die Stadt trägt auch die Beinamen „Schlafende Schönheit, „Hauptstadt des Zuckers“, „Kubanisches Venedig“ oder „Stadt der Brücken“, von denen im Lauf der Zeit mehr als 20 über die drei Flüsse Yumurí, San Juan und Canimar gebaut wurden. Matanzas besitzt auf Kuba auch eine hervorragende musikalische Reputation als Geburtsort des Nationaltanzes „Danzón“. Dessen Verwandte und Nachfolger „Danzonete“, „Chachachá“ und „Mambo“ erblickten ebenfalls in Matanzas das Licht, hier lebten und arbeiteten auch bekannte Komponisten und Musiker wie Miguel Failde, Aniceto Díaz, Dámaso Pérez Prado, Arsenio Rodríguez, Barbarito Díez, Pérez Prado, Angel Reyes und José White Lafitte.

In den Sümpfen im Süden wurde
schon über Kubas Schicksal entschieden

In politischer Hinsicht trat die Provinz im 20. Jahrhundert speziell im April 1961 in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit, als eine von den USA finanzierte Invasion gegen Fidel Castro in der sog. „Schweinebucht“ (Playa Girón) im Südosten der größtenteils sumpfigen Halbinsel Zapata kläglich scheiterte. Heute befindet sich dort ein sehenswertes Museum zu Geschichte und Verlauf des Invasionsversuches, auch eine Gedenktafel für die gut 1000 Gefallenen und die erst später gebauten Bunker können besichtigt werden.
VaraderoDie nur sehr gering bevölkerte Zapata-Halbinsel (Península de Zapata) am Golf von Batabanó an der karibischen Südküste der Provinz Matanzas ist ein UNESCO-Biosphärenreservat, in dem etwa 3000 km² großen Gebiet leben Krokodile, Wasservögel wie Flamingos und zahlreiche Zugvogelarten. In der Provinz mit ihren insgesamt 14 Bezirken („Municipios“) und knapp 700.000 Einwohnern befinden sich bekannte kubanische Fremdenverkehrsorte wie vor allem Varadero und Boca de Guamá. Von wirtschaftlicher Bedeutung ist besonders auch die Stadt Cárdenas westlich von Matanzas, in einem der wichtigsten kubanischen Häfen wird heutzutage der meiste Zucker umgeschlagen.

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